HNO-Leopoldstrasse-Wartezimmer

Hörsturz

Definition gemäß den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde:

Der Hörsturz ist eine ohne erkennbare Ursache plötzlich auftretende, in der Regel einseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit cochleärer Genese von unterschiedlichem Schweregrad bis hin zur Ertaubung. Schwindel und/oder Ohrgeräusche sind zusätzlich möglich. Der Hörsturz gilt als Eilfall, nicht als Notfall, eine Therapie sollte innerhalb der ersten 48 Stunden beginnen.

Im Falle eines Hörsturzes lässt sich im Rahmen der notwendigen otoneurologischen Diagnostik der Hörverlust und die Schädigung der Sinneszellen im Hörorgan selbst nachweisen. Die genauen Ursachen, die zu dieser Schädigung geführt haben lassen sich leider, auch mit den modernsten heute bekannten Diagnostikmethoden, nicht nachweisen oder feststellen.
Da die genauen Ursachen für die Entstehung eines Hörsturzes also nicht bekannt sind, ist dementsprechend derzeit auch keine Therapie bekannt, die die Erkrankungsursache selbst behandeln würde.

Man hat in Deutschland vor einigen Jahrzehnten die plausible Theorie postuliert, dass bei einer Zellschädigung eine Durchblutungsförderung und gleichzeitige Verhinderung von entzündlichen Prozessen in den geschädigten Zellen eventuell eine Regeneration von noch nicht abgestorbenen Zellen bewirken könnte und damit eine Verbesserung oder Wiederherstellung des Hörvermögens begünstigen würde. Aus dieser Theorie heraus entstand die heute bekannte „Infusionstherapie“ mit durchblutungsfördernden (meist Pentoxifyllin und oder HAES 6%) und entzündungshemmenden Medikamenten (Kortison).

Leider hat man damals versäumt diese Therapie in einer wissenschaftlich einwandfreien Studie auf ihre Wirksamkeit zu prüfen und hat die Therapie einfach zum „goldenen Standard“ erklärt. Aus juristischen Gründen ist daher heute eine Wirksamkeitsstudie nicht mehr durchführbar. Als Fakt ist vielleicht erwähnenswert, dass Deutschland das einzige Land ist, in dem eine Infusionstherapie bei Hörsturz überhaupt durchgeführt wird.

Aus meiner Sicht sollte bei der Diagnose Hörsturz definitiv eine durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Infusionstherapie möglichst zeitnah nach Auftreten der Symptome eingeleitet werden.

Ich führe diese Therapie jedoch ambulant durch, da man von früher wochenlangen Infusionen heutzutage zu einer kürzeren, aber hochdosierten Therapie über 3 bis maximal 4 Tage gelangt ist. Ein weiterer Vorteil dieser sogenannten „Bolus-Infusionstherapie“ ist die wegfallende Notwendigkeit, das Kortison ausschleichen zu müssen.

Alternativ kann auch eine Verabreichung des Kortisons als Spritze und der „Durchblutungsförderer“ als Tablette gegeben werden, dann entfällt die Infusion als solche, dies ist auch im Ausland die am häufigsten verwendete Therapie.

Diese Therapie ist jedoch keine Garantie der Heilung, sondern lediglich die schulmedizinische Maximaltherapie.